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"Ein Spaziergang im Salon": Luise Mühlbachs Vermittlung von "Weiterfahrung"

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Stefanie Ohnesorg

Résumé du colloque

"Ein Spaziergang im Salon" ist als Dialog zwischen Luise Mühlbach und ihrer Freundin Auguste konstruiert: Mühlbach führt Auguste durch ihren Salon, der mit Reiseandenken ausgestattet ist, und suggeriert der Freundin, in diesem Mikrokosmos "Weiterfahrung" sammeln zu können. Während diese Aneignung von 'Welt' im Kleinen an das Phänomen der im ausgehenden 18. Jahrhundert zahlreichen beobachtenden 'Zimmerreise' erinnern könnte (vgl. z.B. Seppio von La Roche Mein Schreibetisch (1799), Xavier Maistre Mein Zimmer eine kleine Welt (1795)), stellt sich bei Mühlbach die Frage, inwieweit nicht eine andere Lesart in den Vordergrund gestellt werden muß: Über die Dialoghälfte vermittelt die Autorin eine hierarchische Gegenüberstellung zwischen der neugierigen, weiterfahrenden Frau und der im 'normalen' Frauenleben verhafteten Freundin, die nur in ihrer beschränkten Welt zu leben weiß. Die Reduktion der 'Weiterfahrung' von Frau zu Frau erfolgt somit über die Reduktion in den Mikrokosmos des Salons und der Umgebung, in der dort im Dialog, über Artefakte und Genussmittel (Kaffee, Zigarren) 'interessante Kulturen' unterstrichen werden, die sich im Mikrokosmos der Salons stark ausgeprägt gegenseitig erschließen. Der Text kann als Indiz dafür gesehen werden, daß für Luise Mühlbach, die sich in der gesellschaftlichen Tätigkeit und der Präsenz in der gesellschaftlichen Relevanzschicht für die Frau im 19. Jahrhundert einsetzte, die 'Weiterfahrung' nur innerhalb der patriarchal strukturierten Salons zu Einzelphänomenen in einer weiblichen unkritischen Übernahme der 'männlichen Perspektive' stattfinden konnte.

Contexte

news icon Thème du colloque :
Études germaniques
host icon Hôte : Université du Québec à Montréal

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